Minutenausstellungen - USA

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Situationsbezogene Kurzzeit-Installationen der Fotopapierarbeit Graukeil (XI 1983, 25 x 25 cm) in USA-Museen, Mai 1983 und April 2001. Die Arbeit entstand bei Museumsbesuchen meiner ersten Studienreise in die USA zu Ausstellungen und Hochschulen der Ostküste. Ich reiste allein und wollte dabei Zeichen meiner Anwesenheit setzen. So montierte ich das Fotopapierobjekt an bedeutende Plätze und fotografierte es mit der Leica. Neue Erfahrungen und auch Bekanntschaften waren die Folge. 

So die Erfahrung der Existenz vieler leerer Wände und attraktiver „Nischen“. Sie boten attraktive Plätze für die zumeist unbeobachteten Aktionen. Interessant auch die Erfahrung der Wirkung meines Objekts an fremden Orten oder in Gegenüberstellung zu etablierten und weltbekannten Kunstwerken. Mein Objekt erschien mir wie Konterbande, Schmuggelware, die sich einnistet und ihr eigenes, trickreiches Spiel mit den Größen der erhabenen Künste spielt. Sie konnten sich nicht nicht wehren, die Mondrians, Duchamps und Dibbets. Ich stellte mit ihnen aus.

Später (2004) fand die Bielefelder Linguistin Anna Julia Bock für Aktionen dieser Art den Ausdruck „Smuggles“ (Smuggling Art, Schmuggel-Kunst). Auch die Kunsttheorie hat einen besonderen Ausdruck für diese Art von Zwischen-Kunst entwickelt (fällt mir jetzt nicht ein). Aber auch Incorporated Art, Coocoo-Art (Kuckuks-Kunst), Arte Interposita wären passende Begriffe dafür.

Schließlich kamen bei der Aktion Gespräche und Bekanntschaften zustande, so mit Wächtern, Aufpasserinnen und der Museumsadministration. Dabei war das Fotografierverbot zu überwinden. Es musste Gründe, Ausreden geben. Das wirksamste Argument war der „Graukeil“ selbst. Ich stellte ihn als Mess-Objekt (exposure meter) für die Messung der Belichtungszeit dar. Wenn ich entdeckt wurde, verwies ich darauf, dass den benachbarten Werken kein Schaden entstand, sie blieben materiell unberührt. Mein Objekt war mit Doppelklebeband an der Museumswand befestigt und spurlos zu entfernen. 

Am letzten Tag meines Aufenthaltes in New York hängte ich das Objekt im Appartement des Fotografen und Freundes F. C. Gundlach auf, in dem ich für einige Tage wohnen durfte. Ich hinterließ es dort als Zeichen meiner Anwesenheit und des Dankes für die Gastfreundschaft. Jahre später bestätigte er mir, dass er es gefunden und aufgehoben habe. Es befindet sich jetzt in einer Schachtel seiner Fotografischen Sammlung und ist hier unter „Strukturen und Materialien“ und der Nummer 016777 registriert.

Das letzte Bild der Serie entstand im April 2001 anlässlich des Besuchs der Alfred Stieglitz-Retrospektive in der National Gallery in Washington D. C. An der Rückseite des Museums stand eine leere Hinweistafel. Ich montierte mein Objekt da hinein und fotografierte es. Im Hintergrund erkennt man die Neue Nationalgalerie, aus der heraus ich das Objekt bereits 1983 in einer ersten Aktion fotografiert hatte. So kehrte es nach achtzehn Jahren an einen Platz seines Ursprungs zurück. 

Die Serie wurde zuerst publiziert in: Igildo Biesele: Experiment Design, Zürich 1986, S. 160-161; Gottfried Jäger: Licht Bild Raum, Ausst.-Kat., Paderborn 1992, o. P. (S. 22–23). In einzelnen Bildern auch in: Gottfried Jäger, Lambert Wiesing: Abstrakte Fotografie. Bildmöglichkeiten/Denkmöglichkeiten. Bielefeld 2000, S. XXI. Gottfried Jäger (Hg.): Die Kunst der Abstrakten Fotografie. Stuttgart/New York 2002, S. 101; Andreas Beaugrand (Hg.): Gottfried Jäger. Fotografie als generatives System, Bielefeld 2007, S. 140, 141.



1983-XI-Dibbets

1983-XI-Dibbets

1983-XI-Duchamps

1983-XI-Hirshhorn-Museum

1983-XI-Lensless-Photography

1983-XI-Lensless-Photography

1983-XI-Malevitch

1983-XI-Manfred-Mohr

1983-XI-Manfred-Mohr

1983-XI-Mondrian

1983-XI-Motherwell

1983-XI-Museumswand-1

1983-XI-Museumswand-2

1983-XI-Pistoletto

1983-XI-Rodin-Museum

1983-XI-Selbst

1983-XI-Washington-East

2001-1983-XI-Washington


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