Bachtyar Ali – Die Stadt der weißen Musiker

Buchtipp                                       ★★★★★

Erschienen: Süddeutsche Zeitung, SZ-Extra,  26.10.2017, S.4

Alles beginnt mit einer kleinen, weißen Flöte, die der achtjährige Dschaladati Kotrs von einem Fremden erbt. Schon beim ersten Versuch vermag er ihr die schönsten Töne zu entlocken, so dass dem Jungen schon bald der Ruf eines Genies vorauseilt. Verzückt von der Schönheit seines Instruments begibt sich Dschaladati bald auf eine Reise, die ihn an magische Orte jenseits der uns vertrauten Welt und Zeit führen wird. Ein wunderschönes Märchen, könnte man meinen. Wäre da nicht die Allgegenwärtigkeit von Krieg und Elend, die Dschaladati und seinen Gefährten immer wieder den Weg versperrt und das Gefühl gibt, kein Recht auf die Kunst in ihrem Leben zu haben: „Du fragst: Was kann die Musik für uns tun? Du fragst: Warum sollten wir im Krieg Musik studieren?“

In seinem Roman „Die Stadt der weißen Musiker“ findet Bachtyar Ali, der seit 20 Jahren im Exil in Deutschland lebt, Antworten darauf. Dabei verhandelt seine Geschichte einerseits die Zeit der Diktatur Saddam Husseins und die grausame Realität des Krieges, andererseits aber ist sie ein Loblied auf die verborgenen Schönheiten unserer Welt und die alles einnehmende Kraft der Musik. Seine Figuren wandeln zwischen Leben und Tod, sie sind Soldaten, Musiker und Poeten, Opfer und Täter. Allem voran aber sind sie eines: fantastische Geschichtenerzähler. Genau wie Bachtyar Ali selbst.


 

Bachtyar Ali: Die Stadt der weißen Musiker. 440 Seiten. Unionsverlag. 2017.

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