Schreiben in Zeiten von Twitter

Salman Rushdie beim Literaturfest München

Erschienen: SZ

Salman Rushdie ©Amrei-Marie

Die erste Frage an diesem Abend gilt seinem Twitter-Account. Er hat ihn am Morgen abgeschaltet. „Ich hatte das Gefühl, in einem Raum mit vielen anderen zu sein, die mich nicht mehr amüsiert haben“, erklärt Salman Rushdie. Und das erinnert ihn gleich an eine Anekdote über den Raum, in dem er sitzt: die Große Aula der LMU. Als er hier 1982 „Mitternachtskinder“ gelesen habe, sei eine Frau doch glatt ohnmächtig geworden. „Das hat mich schon stolz gemacht – hängt die Latte für den heutigen Abend aber auch recht hoch.“ Weiterlesen

Verliebt bis zur Schmerzgrenze

Lesefest „Lit.Love“ setzt auf rosa Luftballons und Emanzipation

Erschienen: Süddeutsche Zeitung (Literatur)

Lucinda Riley im Gespräch mit Günter Keil auf der Lit.Love

München Auch wenn man am Wochenende nichts ahnend das Verlagsgebäude von Random House betreten haben sollte, kann man in etwa abschätzen, in welch einer Veranstaltung man da gelandet ist. Die Geländer sind mit rosa Herzchen-Luftballons verziert, an den Wänden steht in dicken Lettern „Love“, und die Toiletten sind nicht nur mit Büchern über das Schlussmachen ausgestattet, sondern einheitlich zum Frauenbereich erklärt. Es ist wieder „Lit.love“ in München: Zum zweiten Mal haben neun Verlage eine Reihe von Autorinnen eingeladen, ihre Büchertische aufgestockt, rosa Bändchen verteilt und die Türen für ein fast ausschließlich weibliches Publikum geöffnet.

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Maylis de Kerangel – Die Lebenden reparieren

REZENSION                                                             ★★★☆☆

In seinem „Summer Reading 2017“ empfiehlt Bill Gates diesen Titel der französischen Autorin als einen, der ihn in diesem Jahr ganz besonders fasziniert hat. Dass er dabei insbesondere die schöne literarische Sprache hervorhebt, das Buch andererseits sofort einem guten Freund empfohlen hat, der wie er, eher ein Sachbuch-Fan ist, scheint widersprüchlich. Ist es aber nicht. Denn „Die Lebenden reparieren“ (im Original „The Heart“) kann faszinierenderweise beides: Es besitzt eine grandiose erzählerische Kraft und gleichzeitig bringt es das Thema Organspende äußerst sachlich auf den Tisch. Darüber sollte man sich aber bewusst sein.  Weiterlesen

Meckern kann jeder

Feridun Zaimoglu – BREmerhaven

Erschienen: Blogale

Freitag 12:03 Uhr, Stadtbibliothek Bremerhaven. „Herr Zaimoglu ist leider noch nicht da“, heißt die leise Ankündigung einer Mitarbeiterin. Aber im Foyer gebe es einen Kaffeeautomaten. Einige Schüler erheben sich langsam, doch der Autor steht schon in der Tür. Unscheinbar, ganz in schwarz gekleidet und mit einem breiten Lächeln im Gesicht schreitet er an den Stuhlreihen bremerhaven2vorbei, setzt sich ans Pult und rückt sich das Mikrofon zurecht. Eine Ankündigung gibt es heute nicht – dafür fehle die Zeit, denn der Moderator suche noch nach einem Parkplatz – und Zaimoglu will keine Zeit verlieren: „Ich bin preußisch erzogen worden. Lieber wartet man, als dass man warten lässt“, erklärt er und eröffnet seinen ersten Auftritt auf der Globale mit dem Titel Das Schreiben als Beruf, der Schriftsteller erklärt sich.

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Interview mit Feridun Zaimoglu

„Das Buch ist klüger als ich“

Erschienen: Blogale

Ein Gespräch mit Feridun Zaimoglu

Herr Zaimoglu, in Ihrem neuen Roman Siebentürmeviertel geht es um die Geschichte eines deutschen Jungen, der mit seinem Vater in die Türkei flüchtet. Sie sind dagegen als kleines Kind den anderen Weg gegangen und aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Lag für Sie der Reiz beim Schreiben darin, einen Gegenentwurf zur eigenen Geschichte zu entwickeln?

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Bachtyar Ali – Die Stadt der weißen Musiker

Buchtipp                                       ★★★★★

Erschienen: Süddeutsche Zeitung, SZ-Extra,  26.10.2017, S.4

Alles beginnt mit einer kleinen, weißen Flöte, die der achtjährige Dschaladati Kotrs von einem Fremden erbt. Schon beim ersten Versuch vermag er ihr die schönsten Töne zu entlocken, so dass dem Jungen schon bald der Ruf eines Genies vorauseilt. Verzückt von der Schönheit seines Instruments begibt sich Dschaladati bald auf eine Reise, die ihn an magische Orte jenseits der uns vertrauten Welt und Zeit führen wird. Weiterlesen

Von Liebe, Schmerz und Disziplin

Rezension                                                          ★★★☆☆

Olga Grjasnowa – Die juristische Unschärfe einer Ehe

Erschienen: Weserkurier, Blogale

Wieviel Angepasstheit steckt in einer Ehe, wieviel Wahrheit in einer Beziehung? In ihrem aktuellen Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ stellt Olga Grjasnowa provokante Fragen über die Liebe und überrascht mit unromantischen Antworten über den gesellschaftlichen Druck von außen, Egoismus und die Angst vor dem Alleinsein.  Weiterlesen